Ein Onlineshop-Briefing beginnt nicht mit Seiten, Menüpunkten oder Wunschfunktionen. Es beginnt mit der Veränderung, die das Projekt für das Unternehmen erreichen soll. Vielleicht soll ein bisher manuell bearbeiteter Bestellweg erstmals digital funktionieren. Vielleicht stößt ein bestehender Shop bei Sortiment, Märkten oder internen Abläufen an Grenzen. Solange dieser Anlass nicht klar beschrieben ist, können Agenturen zwar Lösungen vorschlagen, aber nicht beurteilen, welche davon für dein Geschäft wichtig sind.
Formuliere deshalb zuerst den heutigen Zustand, den Auslöser des Projekts und das gewünschte Ergebnis. Diese drei Teile geben mehr Orientierung als ein langer Katalog technischer Begriffe. Eine Agentur muss verstehen, warum das Projekt jetzt beginnt, was heute konkret behindert und woran dein Team später erkennt, dass der neue Shop seine Aufgabe erfüllt.
Beschreibe die geschäftliche Veränderung
„Wir brauchen einen modernen Onlineshop“ ist zu offen. Aussagekräftiger ist: „Unsere Händler bestellen bisher per E-Mail; künftig sollen freigegebene Geschäftskunden verfügbare Artikel selbst finden, ihre vereinbarten Konditionen sehen und Bestellungen anstoßen können.“ Der zweite Satz legt noch keine technische Lösung fest. Er benennt aber Nutzer, Ausgangslage und den entscheidenden Vorgang.
Dasselbe gilt für einen Relaunch. Schreibe nicht nur, dass die Gestaltung veraltet wirkt. Erkläre, ob neue Sortimentsbereiche schwer ergänzt werden können, ob Produktdaten an mehreren Stellen gepflegt werden oder ob der Shop bestimmte Vertriebswege nicht abbildet. Eine sichtbare Schwäche kann das Symptom eines organisatorischen Problems sein. Die Agentur braucht den Zusammenhang, um den Auftrag nicht auf eine neue Oberfläche zu reduzieren.
Trenne Projektziel und spätere Messung
Ein Ziel darf konkret sein, ohne eine erfundene Kennzahl zu enthalten. Beschreibe, welche Handlung leichter, verlässlicher oder erstmals möglich werden soll. Falls du belastbare Ausgangsdaten besitzt, kannst du sie als Kontext nennen. Falls nicht, definierst du zunächst beobachtbare Ergebnisse: Bestellungen laufen ohne manuelle Übertragung in das führende System, Produktänderungen werden nur noch an einer festgelegten Stelle gepflegt oder ein bestimmter Kundentyp kann seinen Kauf vollständig abschließen.
Halte außerdem fest, wer das Ziel fachlich verantwortet. Das kann die Geschäftsführung, der Vertrieb oder die E-Commerce-Leitung sein. Diese Person entscheidet später, wenn ein Wunsch aus Marketing, Logistik oder IT mit dem Hauptziel kollidiert. Ohne diese Rolle wird das Briefing schnell zu einer Sammlung gleich wichtiger Einzelinteressen.
Nenne ausdrücklich, was nicht Teil des Vorhabens ist
Ein klarer Ausschluss schützt die Vergleichbarkeit. Wenn Markenstrategie, Warenwirtschaftswechsel oder internationale Expansion nicht zum aktuellen Projekt gehören, sollte das im Briefing stehen. Das bedeutet nicht, dass diese Themen nie relevant werden. Es verhindert nur, dass eine Agentur sie stillschweigend einplant, während eine andere sie bewusst ausklammert.
Ergänze bei jedem Ausschluss, welche bestehende Grundlage erhalten bleibt. „Das ERP wird nicht ersetzt und bleibt führend für Bestände“ ist hilfreicher als „ERP nicht im Umfang“. So wird aus einer Grenze zugleich eine wichtige Projektannahme.
Das erste Kapitel deines Briefings beantwortet vier Fragen: Was ist heute der Zustand, warum beginnt das Projekt, welche geschäftliche Veränderung soll entstehen und wer entscheidet bei Zielkonflikten?








