Die Großhandelsfrage

Shopify B2B: trägt dein Shop den Großhandel?

Firmen, Standorte und Ansprechpartner, kundenspezifische Preise und Zahlungsziele: Shopify B2B bringt das Grundgerüst für den Großhandel direkt mit. Wo es bei Staffelpreisen, Kreditlimits und ERP-Anbindung an seine Grenzen stößt, zeigt dieser Leitfaden ehrlich.

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01Die Grundlage

Was Shopify B2B ist — und was es nicht ist

„Shopify B2B" klingt nach einer neuen Produktlinie – ist aber technisch etwas anderes: eine in Shopify eingebaute Funktionssammlung, die auf Firmenkunden statt auf Einzelkäufer zugeschnitten ist, direkt im selben Adminbereich, den du heute schon für dein B2C-Geschäft nutzt. Shopify selbst beschreibt es in der eigenen Hilfe-Dokumentation als „a suite of native features that lets you sell business-to-business through the Shopify admin and online store" – auf Deutsch: eine native Funktionssammlung, mit der du B2B über den Shopify-Adminbereich und deinen Online-Store abwickelst. Kein separates Produkt, keine zweite Lizenz, kein Zusatz-Login für dich als Betreiber, sondern ein Schalter, der in deinem bestehenden Shop zusätzliche Möglichkeiten freischaltet.

Für wen ist dieser Leitfaden gedacht? Für dich als Großhändler, Hersteller oder Markeninhaber, der Firmenkunden beliefert und überlegt, ob der bestehende oder geplante Shopify-Shop diese Seite des Geschäfts tragen kann – oder ob dafür ein zweites System nötig wird. Nicht gedacht ist er als technische Einrichtungsanleitung; die findest du in Shopifys eigener Dokumentation, wenn die Grundsatzfrage einmal geklärt ist.

Was „Shopify B2B" laut Shopifys eigener Beschreibung konkret ermöglicht: Du kannst „einen Store sowohl für B2B- als auch für Direct-to-Consumer-Verkäufe nutzen, oder einen separaten, reinen B2B-Store aufbauen" – die Architekturfrage aus Abschnitt 08 dieses Leitfadens ist also von Shopify selbst als bewusste Wahl angelegt, nicht als Notlösung. Im Kern erlaubt dir das Feature-Paket, „die Kauferfahrung für jeden deiner B2B-Kunden zu personalisieren – bei Preisen, Währung, Produkten, Zahlungs- und Versandmethoden sowie Store-Inhalten", wie es in der offiziellen Beschreibung heißt.

Shopify B2B ist kein Zusatzprodukt, sondern ein Funktionspaket im bestehenden Adminbereich – auf allen Plänen, die B2B unterstützen, größtenteils bereits werkseitig aktiviert.

Was es dagegen nicht ist: kein eigenständiges ERP, kein Warenwirtschaftssystem und kein Ersatz für einen Angebotsprozess mit echter Verhandlung. Diese Abgrenzung zieht sich durch den gesamten Leitfaden – die folgenden Abschnitte gehen der Reihe nach durch, wie Firmen und Ansprechpartner modelliert sind, wie kundenspezifische Preise funktionieren, wie eine Bestellung tatsächlich abläuft, was Zahlungsziele leisten und wo genau die Linie zwischen „das kann Shopify nativ" und „dafür brauchst du eine App, eine Middleware oder ein zweites System" verläuft.

Praktisch bedeutet das laut Dokumentation: Auf Plänen, die B2B unterstützen, sind die meisten Funktionen von Haus aus bereits eingeschaltet – du musst B2B nicht separat freischalten, sondern im Wesentlichen nur deine ersten Firmenkunden anlegen, um loszulegen. Welche Pläne das konkret sind und was sich zwischen den Stufen unterscheidet, klärt Abschnitt 06 im Detail.

Der typische Ausgangspunkt für diesen Leitfaden ist selten ein Unternehmen, das bei null anfängt. Häufiger ist es ein bestehender Shopify-Shop, der heute Endkunden bedient, während parallel eine Handvoll Firmenkunden über Rechnung, Sonderpreise oder manuelle Angebote außerhalb des Shops laufen – per E-Mail, Telefon oder einer separaten Excel-Preisliste. Die Frage dahinter ist fast immer dieselbe: Lässt sich dieser bisher manuell abgewickelte Teil des Geschäfts in denselben Shop hineinziehen, den es ohnehin schon gibt – oder braucht es dafür etwas komplett anderes? Genau diese Frage beantwortet dieser Leitfaden Abschnitt für Abschnitt, entlang dessen, was Shopifys eigene Dokumentation tatsächlich belegt.

02Das Datenmodell

Firmen, Standorte, Ansprechpartner: wie B2B gedacht ist

Das Datenmodell hinter Shopify B2B folgt einer klaren Hierarchie, die sich an echten Firmenstrukturen orientiert statt am klassischen Einzelkunden-Konto. Ganz oben steht die Firma (Company) – der eigentliche B2B-Kunde, den du im Adminbereich unter Kunden → Firmen anlegst. Jede Firma hat automatisch mindestens einen Standort (Company Location), und die meisten Firmenkunden mit mehreren Filialen, Werken oder Niederlassungen bilden genau das über mehrere Standorte innerhalb derselben Firma ab. An jedem Standort wiederum hängen die Ansprechpartner (Contacts) – die einzelnen Personen, die tatsächlich in deinem Shop einkaufen.

Was pro Standort unterschiedlich sein darf

Der entscheidende Designentscheid: Fast jede geschäftskritische Einstellung hängt am Standort, nicht an der Firma insgesamt. Laut Shopifys eigener Dokumentation verfügt jeder Standort unabhängig über eigene Steuer-ID und Steuerbefreiungen, eigene Liefer- und Rechnungsadressen, eigene Preise, eigene Zahlungsziele und eigene Ansprechpartner. Für einen Hersteller mit Werken in drei Bundesländern heißt das konkret: Jeder Standort kann andere Preise, andere Zahlungsziele und eine andere Steuerbefreiung haben – bei derselben Firma im Hintergrund.

Zwei Berechtigungsstufen, kein feingranulares Rollensystem

Für Ansprechpartner sieht Shopify zwei Berechtigungsstufen vor: „Nur bestellen" gibt Kaufberechtigung und Einsicht in die eigenen Bestellungen, „Standort-Administrator" ergänzt Einsicht in alle Bestellungen des Standorts sowie die Berechtigung, Liefer- und Rechnungsadressen zu aktualisieren. Wer aus dem klassischen B2B-Softwareumfeld feingranulare Freigabe-Hierarchien mit mehrstufigen Genehmigungsketten kennt, sollte diese zwei Stufen realistisch einordnen: Das ist ein einfaches, zweckmäßiges Berechtigungsmodell für die meisten Fälle, keine ausgebaute Rollenverwaltung mit beliebig vielen Freigabestufen.

Ergänzend legst du pro Standort fest, ob eine eingereichte Bestellung automatisch freigegeben wird oder zunächst als Entwurf zur Prüfung geht, bevor sie verarbeitet wird – eine Einstellung, die in der Praxis oft genau die interne Freigabelogik abbildet, die größere Firmenkunden von dir erwarten.

Die Obergrenzen, die für fast niemanden relevant werden

Zur Einordnung, wie großzügig das Modell dimensioniert ist: Eine Firma kann laut Dokumentation bis zu 10.000 Standorte und 10.000 Kunden umfassen, ein einzelner Standort bis zu 25 Kataloge und 50 Kunden. Für die weit überwiegende Mehrheit der Großhändler und Hersteller sind das theoretische Obergrenzen, keine praktischen Einschränkungen – relevant wird die Zahl erst bei sehr großen Franchise- oder Filialstrukturen.

Ein Beispiel, das die Hierarchie greifbar macht

Stell dir einen Baustoffhändler vor, der als eine Firma in Shopify angelegt ist, mit drei Standorten – Zentraleinkauf, Niederlassung Nord und Niederlassung Süd. Der Zentraleinkauf bekommt Netto 60 Tage und Zugriff auf den vollen Katalog, die beiden Niederlassungen jeweils Netto 30 Tage und einen auf ihr Regionalsortiment zugeschnittenen Katalog. In jeder Niederlassung bestellt ein Sachbearbeiter mit der Berechtigung „Nur bestellen", während die Standortleitung als „Standort-Administrator" alle Bestellungen der eigenen Niederlassung einsehen kann – nicht aber die des Zentraleinkaufs. Genau diese Trennung ist der Grund, warum das Modell auf Standort-Ebene ansetzt statt auf Firmen-Ebene.

Firma, Standort und Ansprechpartner bilden die komplette Hierarchie. Entscheidend für den Alltag ist: Preise, Zahlungsziele und Steuerbefreiung hängen am Standort, nicht an der Firma als Ganzes.

Wie aus diesem Datenmodell tatsächlich unterschiedliche Preise für unterschiedliche Kunden werden, zeigt der nächste Abschnitt.

Auf einen Blick

Wie B2B in Shopify gedacht ist

Firma, Standort, Ansprechpartner.

EBENE 1Firmader GeschäftskundeEBENE 2StandortAdresse, Zahlungsziel,KatalogEBENE 3Ansprechpartnerbestellt im Namen der FirmaZUGEWIESENKatalog mit Preisenje Standort freigegebenhat mehrerehat mehrerehat mehrerehat mehrere
03Der Kern

Kundenspezifische Preise und Katalogfreigaben

Das Kernstück von Shopify B2B, auf das die meisten anderen Funktionen aufbauen, heißt Katalog. Ein Katalog ist laut Shopifys Dokumentation eine Kombination aus Produktauswahl und Preisliste: Du legst fest, welche Produkte ein Kunde überhaupt sehen darf, und setzt für diese Produkte eigene Preise fest, statt den Standard-Ladenpreis zu übernehmen. Ein Katalog lässt sich einer oder mehreren Firmen beziehungsweise Standorten zuweisen – dieselbe Preisliste für eine ganze Kundengruppe ist also genauso möglich wie eine Preisliste exklusiv für einen einzelnen Standort.

Was passiert, wenn sich Kataloge überschneiden

Du kannst einem Standort mehrere Kataloge gleichzeitig zuweisen – etwa einen allgemeinen Großhandelskatalog plus einen exklusiven Katalog für eine bestimmte Produktlinie. Überschneiden sich dabei Preise für dasselbe Produkt, greift laut Dokumentation eine einfache Regel: Dem Kunden wird automatisch der niedrigste der zutreffenden Preise angezeigt. Für die Katalogpflege heißt das: Konflikte zwischen mehreren zugewiesenen Katalogen musst du nicht manuell auflösen, solltest die Logik aber kennen, bevor du dich fragst, warum ein Kunde einen anderen Preis sieht als erwartet.

Mengenregeln und Staffelpreise – mit einer echten Grenze

Zusätzlich zur reinen Preisliste erlaubt Shopify B2B zwei weitere Steuerungsebenen: Mengenregeln, mit denen du Mindest- und Höchstabnahmemengen pro Produkt festlegst, und Mengenstaffeln, die Kunden einen niedrigeren Preis anbieten, sobald sie eine bestimmte Stückzahl desselben Produkts kaufen. Das deckt den klassischen Fall „ab 50 Stück 8 % Rabatt" zuverlässig ab. Was in der offiziellen Dokumentation dagegen nicht als eigenständiges Feature auftaucht, sind komplexere Preismatrizen – etwa ein Rabatt, der gleichzeitig von Bestellmenge, Produktkombination und individuell verhandeltem Kundenstatus abhängt. Wer solche mehrdimensionalen Preislogiken braucht, bildet sie über mehrere, gezielt zugewiesene Kataloge nach oder stößt an die native Grenze – mehr dazu in Abschnitt 07.

Die Katalog-Obergrenze, die die Kostenfrage vorwegnimmt

Hier verzahnt sich die Preisfrage direkt mit der Plan-Frage aus Abschnitt 06: Auf den Plänen Basic, Grow und Advanced sind laut Shopifys eigener Preisseite maximal drei aktive Kataloge gleichzeitig nutzbar. Für einen Betrieb mit einer Handvoll Kundengruppen – etwa „Standardhändler", „Vorzugskunde", „Großabnehmer" – reicht das oft aus. Sobald du nach Region, Vertriebsstufe und Sonderkondition gleichzeitig segmentierst, wird diese Drei-Kataloge-Grenze schnell eng. Shopify Plus hebt die Obergrenze auf und erlaubt unbegrenzt viele Kataloge, direkt Firmen und Standorten zugewiesen.

Was ein Katalog nicht ersetzt

Wichtig für die Erwartungshaltung an dieser Stelle: Ein Katalog ersetzt keine Rabattstaffel über mehrere Produkte hinweg im Sinne eines Mengenbonus über das gesamte Sortiment. Die Mengenstaffeln aus Shopifys Dokumentation greifen pro Produkt oder Variante, nicht als gesamtheitlicher Bonus über den Warenkorb. Wer einen kumulativen Rabatt über die komplette Bestellsumme anbieten will – unabhängig davon, welche einzelnen Produkte darin liegen –, findet dafür in der nativen B2B-Preislogik kein direktes Werkzeug und muss auf Rabattcodes, Entwurfsbestellungen oder eine App ausweichen.

Kataloge kombinieren Produktfreigabe und Preis in einem Objekt. Die Preislogik selbst ist auf jedem B2B-fähigen Plan gleich mächtig – die Zahl gleichzeitig nutzbarer Kataloge ist es nicht.

Reichen deine Kataloge für deine Preisstruktur?

Ein kurzer Blick auf deine Kundengruppen zeigt, ob drei Kataloge reichen oder ob sich Plus für deinen Shop tatsächlich rechnet.

Preisstruktur einschätzen lassen
04Der Alltag

Wie eine B2B-Bestellung tatsächlich abläuft

Wie läuft eine B2B-Bestellung in Shopify konkret ab, aus Sicht des einkaufenden Ansprechpartners? Der Ablauf beginnt mit der Anmeldung im Kundenkonto – ein Ansprechpartner, der einem Standort zugeordnet ist, sieht nach dem Login automatisch die für diesen Standort freigegebenen Kataloge, also genau die Produkte und Preise, die für seine Firma hinterlegt sind. Von dort aus läuft der eigentliche Einkauf entlang des regulären Shopify-Warenkorbs: Mengenregeln greifen direkt beim Hinzufügen zum Warenkorb, Mengenstaffeln reduzieren den Preis automatisch, sobald die hinterlegte Schwelle erreicht ist.

Der Checkout selbst bleibt Shopifys Checkout

Beim Kaufabschluss nutzt Shopify B2B laut eigener Dokumentation weiterhin den regulären Shopify-Checkout – ergänzt um B2B-spezifische Optionen: verschiedene Zahlungsmethoden inklusive hinterlegter Kreditkarten für wiederkehrende Bestellungen, editierbare Versandadressen direkt im Checkout, und die am Standort hinterlegten Zahlungsziele als Zahlungsoption. Für einen Ansprechpartner, der regelmäßig dieselben Positionen nachbestellt, macht genau diese Kombination den Unterschied im Alltag: keine erneute Zahlungsdateneingabe, kein Nachfragen beim Vertrieb nach dem gültigen Preis, sondern derselbe Warenkorb-Weg wie beim letzten Mal, nur mit dem hinterlegten Zahlungsziel statt Vorkasse. Ein wichtiges Detail für die E-Mail-Automatisierung: Erinnerungen an abgebrochene Checkouts sind für B2B-Bestellungen laut Dokumentation standardmäßig deaktiviert – wer sie aktivieren will, braucht Shopify Plus und eine gesonderte Freigabe durch Shopify selbst.

Freigabe: automatisch oder erst zur Prüfung

Was mit einer eingereichten Bestellung passiert, hängt von der Einstellung am jeweiligen Standort ab, die in Abschnitt 02 bereits angesprochen wurde: entweder automatische Freigabe, oder die Bestellung geht zunächst als Entwurf in die Prüfung, bevor sie tatsächlich verarbeitet wird. Für Firmenkunden mit interner Einkaufsfreigabe – der Sachbearbeiter bestellt, der Einkaufsleiter muss noch bestätigen – bildet das genau den Prozess ab, den viele Großhandelskunden ohnehin erwarten.

Was hier explizit fehlt: der Angebotsprozess

Wichtig für die Erwartungshaltung: Was in Shopifys eigener Entwicklerdokumentation zur B2B-API nicht auftaucht, ist eine Funktion für Angebotsanfragen im Sinne einer kundenseitig ausgelösten Preisverhandlung. Was es stattdessen gibt, sind Entwurfsbestellungen (Draft Orders) – ein Werkzeug, mit dem dein Team im Adminbereich eine individuelle Bestellung im Namen eines Kunden zusammenstellt, etwa nach einem Telefonat oder einer Preisverhandlung außerhalb des Shops, und sie dem Kunden anschließend zur Zahlung und Prüfung zusendet. Das ist ein nützliches Werkzeug für dein Vertriebsteam – aber es ist ein mitarbeitergesteuerter Prozess, kein Self-Service-Formular, über das ein Kunde selbst ein Angebot anfragt und im Shop verhandelt. Für einen Vertrieb, der klassisch mit Preisverhandlung am Telefon arbeitet, ändert Shopify B2B daran zunächst wenig – die Verhandlung selbst bleibt außerhalb des Shops, erst das Ergebnis wandert als Entwurfsbestellung oder als individuell zugewiesener Katalog hinein.

Der Bestellprozess selbst läuft nativ, inklusive optionaler interner Freigabe. Eine kundenseitige Angebotsanfrage mit Verhandlung ist dagegen kein natives Feature – Entwurfsbestellungen sind ein Werkzeug für dein Team, kein Self-Service-Kanal für den Kunden.

05Das Geld

Zahlungsziele, Rechnungskauf und Kreditlimits

Zahlungsziele sind für den Großhandel oft die eigentliche Kaufbedingung – und genau hier bildet Shopify B2B laut eigener Dokumentation vier Varianten nativ ab: keine Zahlungsziele (Zahlung sofort fällig, die Standardeinstellung), Nettotage in den Stufen 7, 15, 30, 45, 60 oder 90 Tage nach Bestelldatum, Zahlung bei Lieferung (fällig, sobald alle Positionen einer Bestellung versendet wurden), und ein festes Datum, das ausschließlich bei manuell erstellten Entwurfsbestellungen zur Verfügung steht. Konfiguriert wird das pro Standort, für eine ganze Firma auf einmal, oder per Sammelbearbeitung über mehrere Firmen hinweg – jeweils im Adminbereich unter Kunden → Firmen. Für einen Standort mit vertrauenswürdiger, langjähriger Geschäftsbeziehung eignet sich ein großzügiges Nettoziel, für einen neuen Firmenkunden ohne Zahlungshistorie eher „Zahlung bei Lieferung" oder eine Anzahlung – die vier Varianten decken damit bewusst unterschiedliche Vertrauensstufen ab, nicht nur unterschiedliche Fristlängen.

Anzahlungen: eine Funktion, die an Plus hängt

Wer bei größeren Bestellungen eine Anzahlung verlangen will, statt den vollen Betrag über das Zahlungsziel zu strecken, kann das mit Anzahlungen als Prozentsatz der Bestellsumme tun – bezahlbar per Kreditkarte oder manueller Zahlungsmethode, der Rest wird zum vereinbarten Zeitpunkt fällig. Diese Funktion ist laut Shopifys eigener Dokumentation ausdrücklich nur auf dem Plus-Plan verfügbar, nicht auf Basic, Grow oder Advanced.

Was nach Ablauf des Zahlungsziels passiert – und was nicht

Ein Punkt, der in Verkaufsgesprächen gern übergangen wird: Läuft ein Zahlungsziel ab, ohne dass der Kunde bezahlt hat, wird die Zahlung laut Dokumentation nicht automatisch eingezogen. Die Bestellung erscheint im Kundenkonto als überfällig, die tatsächliche Zahlung muss manuell erfasst werden. Ein automatisches Mahnwesen oder eine automatische Zahlungseinforderung nach Fristablauf beschreibt Shopifys eigene Dokumentation nicht.

Kreditlimits: die native Lücke

Wer aus klassischer Warenwirtschaft ein Kreditlimit pro Kunde kennt – eine harte Obergrenze, ab der neue Bestellungen automatisch blockiert werden, bis die offenen Rechnungen beglichen sind –, sucht dieses Feature in Shopifys eigener Dokumentation zu Zahlungszielen vergeblich. Was dort beschrieben wird, sind Zahlungsziele, Anzahlungen und die manuelle Erfassung überfälliger Zahlungen – eine automatische Bonitäts- oder Limitprüfung vor jeder neuen Bestellung ist daran nicht dokumentiert. Wer diese Kontrolle geschäftskritisch braucht, muss sie organisatorisch – durch dein Vertriebsteam – oder über eine Drittanbieter-App lösen, nicht als eingebauten Shopify-Schalter erwarten. Für ein Unternehmen, das im ERP oder in der Buchhaltungssoftware ohnehin ein Kreditlimit je Kunde pflegt, ist das in der Praxis oft zu verschmerzen – die Prüfung findet dann eben vor der Freigabe im ERP statt, nicht im Shop selbst. Kritisch wird es erst, wenn der Shop der einzige Ort ist, an dem diese Kontrolle stattfinden soll.

Zahlungsziele bis Netto 90 sind nativ vorhanden, Anzahlungen sind Plus-exklusiv. Eine automatische Kreditlimit-Durchsetzung beschreibt Shopifys eigene Dokumentation dagegen nicht – das bleibt Handarbeit oder App-Sache.

06Die Kostenfrage

Was Plus voraussetzt — und was ohne geht

Die Plus-Frage lässt sich am saubersten beantworten, indem man sie umdreht: Was funktioniert bereits auf Basic, Grow und Advanced – und was ist dokumentiert ausschließlich Shopify Plus vorbehalten? Laut Shopifys eigener Preisseite (Stand unserer Recherche) kostet Basic um die 36 Euro im Monat, Grow rund 105 Euro, Advanced etwa 384 Euro, während Plus ab rund 2.100 Euro im Monat beginnt – eine andere Größenordnung, die sich nur rechnet, wenn die Plus-exklusiven Funktionen tatsächlich gebraucht werden.

Was auf allen B2B-fähigen Plänen bereits drinsteckt

Das native Grundgerüst aus den Abschnitten 02 bis 05 – Firmen, Standorte, Ansprechpartner mit zwei Berechtigungsstufen, Kataloge mit individuellen Preisen, Mengenregeln und Mengenstaffeln, sowie Zahlungsziele bis Netto 90 – steht laut Dokumentation auf jedem Plan zur Verfügung, der B2B unterstützt. Ein Großhändler mit überschaubarer Kundenstruktur kann damit ohne Plus-Aufpreis starten.

Drei Funktionen, die dokumentiert an Plus hängen

Drei Unterschiede sind in Shopifys eigener Dokumentation eindeutig belegt, nicht nur als Marketingaussage: Erstens die Katalog-Obergrenze aus Abschnitt 03 – drei aktive Kataloge auf Basic, Grow und Advanced gegenüber unbegrenzt vielen auf Plus. Zweitens Anzahlungen beim Checkout, die laut Zahlungsziel-Dokumentation ausschließlich auf Plus verfügbar sind. Drittens die Möglichkeit, Erinnerungen an abgebrochene B2B-Checkouts überhaupt zu aktivieren – auf den unteren Plänen ist diese Funktion grundsätzlich abgeschaltet, auf Plus lässt sie sich mit Freigabe durch Shopify einschalten.

Was Shopifys eigene Plus-Vertriebsseite zusätzlich als Plus-exklusiv nennt

Über die drei belegten Punkte hinaus wirbt Shopify auf seiner eigenen Plus-Vertriebsseite mit weiteren B2B-Funktionen, die dort als Plus-Vorteil dargestellt werden – etwa ein anpassbarer Käufer-Portal-Auftritt über Drittanbieter- oder eigene Apps, sowie eine Storefront-Personalisierung nach Zielgruppe über Shopify Markets. Diese Angaben stammen aus Shopifys eigener Vertriebs- statt Hilfe-Dokumentation; wer konkret plant, sollte sie vor einer Kaufentscheidung noch einmal mit Shopify oder einem Partner gegenprüfen, statt sich allein auf die Marketingseite zu verlassen.

Eine Faustregel für die eigene Einordnung

Als praktische Richtschnur: Reicht dein Geschäft mit drei bis vier klar getrennten Preisebenen aus, ohne dass du regelmäßig gegen die Katalog-Obergrenze stößt, ohne dass du Anzahlungen brauchst, und ohne dass abgebrochene B2B-Checkouts für dich ein messbares Umsatzproblem sind, gibt es keinen dokumentierten Grund, für B2B allein den Sprung auf Plus zu machen. Erst wenn mindestens einer dieser drei Punkte im eigenen Tagesgeschäft tatsächlich drückt, rechtfertigt das die deutlich höhere Preisstufe – nicht das bloße Gefühl, „mit B2B brauche ich sicher die teuerste Stufe".

Nicht der Zugang zu B2B selbst kostet Plus, sondern drei konkrete, dokumentierte Funktionen: unbegrenzte Kataloge, Anzahlungen und aktivierbare Checkout-Erinnerungen. Alles andere aus diesem Leitfaden läuft bereits auf den unteren Plänen.

Die Grafik im Anschluss stellt diese beiden Ebenen noch einmal nebeneinander.

Auf einen Blick

Was Plus bringt

Zwei Ebenen, eine Entscheidung.

BASIC, GROW, ADVANCEDB2B ist enthaltenFirmen und Standortevollständig nutzbarAktive Katalogemaximal dreiZahlungszieleNetto-Fristen möglichAnzahlungennicht verfügbarAbgebrochene B2B-Checkoutsnicht verfügbarSHOPIFY PLUSDer volle B2B-UmfangFirmen und Standortevollständig nutzbarAktive KatalogeunbegrenztZahlungszieleNetto-Fristen möglichAnzahlungenverfügbarAbgebrochene B2B-Checkoutsauf FreigabeVSDie Katalog-Grenze entscheidet häufiger über den Plan als der Preis selbst.
07Ehrlich

Wo Shopify B2B an seine Grenzen stößt

Nach den vorigen Abschnitten lässt sich die Grenzlinie klar ziehen – nicht als vages Bauchgefühl, sondern entlang dessen, was Shopifys eigene Dokumentation explizit beschreibt und was sie explizit nicht beschreibt.

Komplexe Preismatrizen

Kataloge, Mengenregeln und Mengenstaffeln decken die häufigsten Großhandels-Preislogiken ab – individuelle Fixpreise pro Kunde, Mindestabnahmen, Rabatt ab Stückzahl. Was fehlt, ist eine native, mehrdimensionale Preismatrix, die gleichzeitig Kundengruppe, Bestellvolumen, Produktkombination und Saisonalität in einer einzigen Regel verrechnet. Solche Logiken bildest du über mehrere, gezielt kombinierte Kataloge nach – mit steigendem Pflegeaufwand, je feiner die Segmentierung wird.

Angebotsprozesse mit echter Verhandlung

Wie in Abschnitt 04 gezeigt, gibt es kein natives Formular, über das ein Kunde selbst ein Angebot anfragt und im Shop mit deinem Team verhandelt. Entwurfsbestellungen sind ein Werkzeug für dein Vertriebsteam, kein Self-Service-Kanal – wer einen ausgeprägten Angebotsprozess mit mehreren Verhandlungsrunden braucht, bildet den außerhalb von Shopify ab und überträgt erst das Ergebnis als Bestellung.

Kreditlimits und automatisches Mahnwesen

Wie in Abschnitt 05 beschrieben, dokumentiert Shopify keine automatische Bonitätsprüfung oder Kreditlimit-Durchsetzung vor der Bestellannahme, und keinen automatischen Zahlungseinzug nach Ablauf eines Zahlungsziels. Beides bleibt entweder manuelle Vertriebsarbeit oder Aufgabe einer zusätzlichen App.

Was Shopify für B2B ausdrücklich ausschließt

Ein Punkt, der selten thematisiert wird, aber unmittelbar aus Shopifys eigener Entwicklerdokumentation stammt: B2B unterstützt ausdrücklich keine Abonnements, keine Vorbestellungen und keine „erst testen, dann kaufen"-Käufe. Wer im B2B-Geschäft mit wiederkehrenden Nachbestellintervallen arbeitet, die sich technisch wie ein Abonnement verhalten sollen, muss das separat über eine App oder eigene Logik lösen – nicht über die native B2B-Funktion.

ERP-Anbindung als eigenes Thema

Die vierte typische Lücke – die Anbindung an ein bestehendes Warenwirtschafts- oder ERP-System – wiegt in der Praxis am schwersten und verdient einen eigenen Abschnitt; sie folgt in Abschnitt 09.

Was diese Grenzen gemeinsam haben

Auffällig an allen vier Punkten: Keiner davon betrifft die Kernfunktion von Shopify B2B – Firmen anlegen, Preise setzen, Zahlungsziele hinterlegen, Bestellungen abwickeln. Alle vier betreffen Prozesse, die in vielen Großhandelsunternehmen historisch außerhalb der Shop-Software gewachsen sind, in ERP, CRM oder in den Köpfen erfahrener Vertriebsmitarbeiter. Das ist der Grund, warum sich diese Lücken selten in einer ersten Produktdemo zeigen und erst dann auffallen, wenn ein bestehender Prozess tatsächlich eins zu eins nachgebaut werden soll.

Vier Lücken wiederholen sich in der Praxis: mehrdimensionale Preismatrizen, kundenseitige Angebotsverhandlung, automatische Kreditlimits – und, am schwersten, native ERP-Anbindung. Keine davon ist ein Fehler, sondern eine bewusste Grenze der nativen Funktion.

08Die Architekturfrage

Ein Shop für beides — oder zwei getrennte?

Shopify beantwortet diese Architekturfrage in der eigenen Dokumentation bewusst als Wahl, nicht als Vorgabe: Du kannst „einen Store sowohl für B2B- als auch für Direct-to-Consumer-Verkäufe nutzen, oder einen separaten, reinen B2B-Store aufbauen". Beide Wege sind offiziell vorgesehen – die Entscheidung hängt von deinem Geschäftsmodell ab, nicht von einer technischen Einschränkung.

Ein Shop für beides: der Normalfall

Für die meisten Hersteller und Großhändler, die sowohl Endkunden als auch Firmenkunden bedienen, ist ein gemeinsamer Store die naheliegende Lösung. Derselbe Produktkatalog, dieselbe Storefront, dasselbe Backend – B2B-Kunden sehen nach dem Login in ihrem Firmenkonto automatisch die für sie hinterlegten Preise, Kataloge und Zahlungsmethoden, während unangemeldete Besucher den regulären B2C-Store mit Standardpreisen sehen. Das spart eine doppelte Pflege von Produktdaten, Lagerbestand und Content.

Zwei getrennte Stores: wann sich das lohnt

Ein separater, reiner B2B-Store lohnt sich dort, wo sich B2C- und B2B-Geschäft inhaltlich kaum überschneiden – komplett unterschiedliche Sortimente, unterschiedliche Markenauftritte, oder ein B2B-Geschäft, das ohnehin nie öffentlich sichtbar sein soll. Der Preis dafür: zwei Shopify-Instanzen, zwei Admin-Bereiche, doppelte Pflege für alles, was nicht ohnehin über eine zentrale Warenwirtschaft synchronisiert wird. Eine Zwischenlösung für Plus-Kunden bietet laut Shopifys eigener Plus-Vertriebsseite die Storefront-Personalisierung nach Zielgruppe über Shopify Markets – damit lässt sich innerhalb eines einzigen Stores ein spürbar unterschiedlicher Auftritt für B2B- und B2C-Besucher zeigen, ohne die Datenpflege eines zweiten Stores in Kauf zu nehmen.

Vier Fragen zur Einordnung

Vier Fragen helfen bei der eigenen Einordnung: Überschneidet sich dein Sortiment zwischen B2C- und B2B-Kunden weitgehend? Sollen B2B-Kunden dieselbe Markenwelt sehen wie Endkunden? Ist die Kundentrennung über Firmenkonten ausreichend, oder brauchst du komplett getrennte Auftritte? Und: Wächst dein B2B-Geschäft schnell genug, dass ein Umbau in zwei Stores in absehbarer Zeit ohnehin ansteht? Die Grafik im Anschluss fasst diese vier Fragen als Entscheidungshilfe zusammen.

Die Storefront-Frage bleibt unabhängig von B2B

Unabhängig von der B2B-Entscheidung bleibt die Frage bestehen, mit welcher Technik du die Storefront überhaupt baust – mit einem klassischen Shopify-Theme oder headless mit einem eigenen React-Frontend. Diese Architekturfrage behandeln wir ausführlich in unserem Vergleich zwischen Theme und Headless-Aufbau; die B2B-Funktionen selbst stehen dabei auf beiden Wegen zur Verfügung.

Ein Shop für B2B und B2C ist der Normalfall und spart doppelte Pflege. Zwei getrennte Stores lohnen sich erst, wenn sich Sortiment oder Markenauftritt kaum überschneiden.

Auf einen Blick

Ein Shop oder zwei?

Vier Fragen zur Architektur.

FRAGE 1Gleiches Sortiment?B2B und B2C weitgehenddeckungsgleichFRAGE 2Getrennte Markenötig?eigener Auftritt fürHändlerFRAGE 3Kataloge reichen aus?Preise über StandortesteuerbarEMPFEHLUNGEin ShopB2B im bestehenden ShopifyEMPFEHLUNGZwei Shopsgetrennte Auftritte, einBackendjajaneinneinjajaneinneinjajaneinnein

Ein Shop für B2B und B2C — oder zwei getrennte?

Wir bauen beide Wege und sagen dir nach einem Blick auf dein Sortiment ehrlich, welche Architektur für dich passt.

Architektur-Einschätzung anfragen
09Das Umfeld

Warenwirtschaft und ERP: der unterschätzte Teil

Für die meisten Großhändler und Hersteller ist die ERP-Frage der Punkt, an dem sich eine Shopify-B2B-Entscheidung am Ende tatsächlich entscheidet – mehr als an Preisen oder Katalogen. Die ehrliche Antwort vorweg: Shopify liefert kein eingebautes, automatisches Zwei-Wege-ERP-Synchronisierungswerkzeug mit. Was es liefert, ist eine Schnittstelle, über die eine Integration gebaut werden kann – der Unterschied zwischen „ERP-Anbindung ist vorbereitet" und „ERP-Anbindung ist eingebaut" ist an dieser Stelle real und teuer, wenn er übersehen wird.

Was die API konkret bereitstellt

Laut Shopifys eigener Entwicklerdokumentation stellt die GraphQL-Admin-API Ressourcen bereit, um Firmen mit Ansprechpartnern und Standorten anzulegen, Kataloge Firmen-Standorten zuzuordnen, um „exklusive Produktauswahlen und verhandelte Preise" abzubilden, B2B-Bestellungen abzufragen, Entwurfsbestellungen zu erstellen – und ausdrücklich auch, um „B2B-Bestellungen aus externen Systemen zu importieren". Diese letzte Funktion ist der eigentliche Andockpunkt für ein ERP: Bestellungen, Preislisten oder Lagerbestände, die im ERP als führendem System liegen, lassen sich über diese API-Ressourcen in Shopify hinein- und aus Shopify herausbewegen.

Vorgefertigte Konnektoren – und was sie bedeuten

Auf ihrer eigenen Plus-Vertriebsseite nennt Shopify konkrete Integrationspartner für die ERP-Anbindung – darunter Acumatica, NetSuite und Microsoft, sowie weitere Systeme, erreichbar „über direkte Konnektoren, APIs oder iPaaS-Lösungen für die Echtzeit-Datensynchronisierung". Wichtig für die Erwartungshaltung: Das sind Drittanbieter-Konnektoren oder Middleware-Lösungen, keine von Shopify selbst mitgelieferte native Funktion. Für einige der großen, namentlich genannten ERP-Systeme existieren fertige Brücken; für ein individuelles, branchenspezifisches Warenwirtschaftssystem bedeutet das in der Praxis fast immer eine Individualentwicklung gegen die Shopify-API – mit entsprechendem Projektaufwand, den du von Anfang an einplanen solltest, nicht erst nach dem Go-live entdecken.

Die praktische Konsequenz für die Projektplanung

Wer mit einem bestehenden ERP als führendem System arbeitet, sollte die Integrationsfrage vor der B2B-Einrichtung klären, nicht danach: Läuft dein ERP unter den genannten großen Systemen, ist ein Konnektor der realistische Startpunkt. Läuft es nicht darunter, ist die API der Ansatzpunkt für eine Individualintegration – und diese Integration, nicht die Shopify-Lizenz selbst, ist in solchen Projekten häufig der größere Kosten- und Zeitfaktor.

Zwei Richtungen, die getrennt betrachtet werden sollten

Eine ERP-Anbindung ist in der Praxis kein einzelner Datenfluss, sondern mindestens zwei: Preise, Lagerbestände und Produktdaten müssen üblicherweise vom ERP in Richtung Shopify wandern, damit der Shop stets aktuell ist, während abgeschlossene Bestellungen aus Shopify zurück ins ERP müssen, damit Buchhaltung, Versand und Bestandsführung dort weiterlaufen. Shopifys eigene API-Ressourcen decken laut Dokumentation beide Richtungen ab – Import von B2B-Bestellungen aus externen Systemen in die eine, Abfrage von B2B-Bestellungen aus Shopify in die andere Richtung –, die tatsächliche Verknüpfung beider Richtungen zu einem funktionierenden, laufenden Prozess bleibt aber Integrationsarbeit, kein Standardschalter.

Shopify liefert die API-Bausteine für eine ERP-Anbindung, nicht die fertige Synchronisierung. Für einige große Systeme gibt es Konnektoren – für alles andere bleibt eine Individualintegration gegen die API.

10Ehrliche Grenze

Für wen sich Shopify B2B rechnet

Die Entscheidung lässt sich am Ende auf eine kurze Prüfliste herunterbrechen – nicht auf ein pauschales Ja oder Nein.

Shopify B2B lohnt sich nativ, ohne größere Zusatzentwicklung, wenn dein Kerngeschäft in die Bahnen passt, die die Abschnitte oben beschrieben haben: eine überschaubare Zahl an Kundengruppen mit klaren, katalogbasierten Preisen, Zahlungsziele als vertragliche statt individuell verhandelte Bedingung, ein interner Freigabeprozess, der mit zwei Berechtigungsstufen auskommt, und entweder kein bestehendes ERP oder eines der großen Systeme, für die es fertige Konnektoren gibt.

Weniger gut passt die native Lösung, wenn eine oder mehrere der in Abschnitt 07 beschriebenen Lücken für dein Geschäft nicht Randfall, sondern Alltag sind: ein Vertrieb, der tatsächlich verhandelt statt Preislisten abzurufen, ein individuelles ERP ohne fertigen Konnektor, oder Preislogiken, die sich nicht mehr in Kataloge und Mengenstaffeln pressen lassen. Das bedeutet nicht zwangsläufig ein zweites System – oft reicht eine gezielte Individualentwicklung gegen die Shopify-API, um genau die eine fehlende Funktion nachzubauen, während der Rest nativ bleibt.

Ein pragmatischer erster Schritt, bevor überhaupt eine Kaufentscheidung fällt: die eigenen Kundengruppen, Zahlungsvereinbarungen und den bestehenden ERP-Datenfluss einmal nüchtern gegen die zehn Abschnitte dieses Leitfadens legen. Wo sich dein heutiger Prozess in Firmen, Standorten, Katalogen und Zahlungszielen wiederfindet, trägt Shopify B2B wahrscheinlich ohne große Umwege. Wo er das nicht tut, weißt du nach dieser Prüfung genau, an welcher einzelnen Stelle eine Anpassung ansetzen muss – statt pauschal zwischen „reicht" und „reicht nicht" zu raten.

Die meisten Lücken in diesem Leitfaden sind kein Grund, Shopify B2B zu verwerfen – sie sind ein Hinweis darauf, wo eine gezielte Individualentwicklung ansetzen muss, während das native Grundgerüst trägt.

Genau diese Einschätzung – was nativ reicht, wo eine Anpassung nötig ist und wie eine ERP-Anbindung technisch aussieht – übernehmen wir bei EINSHOCH im Rahmen unserer laufenden Shopify-Entwicklung für Großhändler und Hersteller, mit Blick auf dein bestehendes Warenwirtschaftssystem statt auf eine Standardantwort.

Am Ende bleibt die Grundlogik aus Abschnitt 01: Firmen, Standorte und Ansprechpartner, kundenspezifische Preise und Zahlungsziele bringt Shopify direkt mit. Komplexe Verhandlung, harte Kreditlimits und tiefe ERP-Integration bringt es nicht mit – dort entscheidet nicht die Plattform, sondern die Integration, die du daraufsetzt.

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FAQ

Häufige Fragen zu Shopify B2B

Die wichtigsten Antworten rund um Firmen, Preise, Zahlungsziele und ERP-Anbindung — kompakt erklärt. Deine Frage ist nicht dabei? Wir beantworten sie gern persönlich.

Frage persönlich stellen

Shopify B2B ist Teil der regulären Pläne, keine separate Lizenz — Basic, Grow und Advanced erlauben laut Shopifys eigener Preisseite bis zu drei aktive Kataloge, Plus unbegrenzt viele. Details zu den einzelnen Plan-Unterschieden in Abschnitt 06.

Nein, das native Grundgerüst — Firmen, Standorte, Kataloge, Zahlungsziele bis Netto 90 — läuft auf jedem Plan, der B2B unterstützt. Plus ist laut Dokumentation nur für unbegrenzte Kataloge, Anzahlungen und aktivierbare Checkout-Erinnerungen zwingend, siehe Abschnitt 06.

Eine Firma besteht aus einem oder mehreren Standorten, und jeder Standort hat eigene Ansprechpartner mit eigenen Preisen, Zahlungszielen und Steuereinstellungen. Die komplette Hierarchie erklärt Abschnitt 02.

Ja, über Kataloge, die Produktauswahl und Preisliste kombinieren und einer Firma oder einem einzelnen Standort zugewiesen werden. Überschneiden sich mehrere Kataloge, gilt automatisch der niedrigste zutreffende Preis, Details in Abschnitt 03.

Ja, Shopify B2B bietet native Zahlungsziele von Netto 7 bis Netto 90 Tagen, dazu Zahlung bei Lieferung und ein festes Datum für Entwurfsbestellungen. Mehr dazu in Abschnitt 05.

Nein, eine automatische Kreditlimit-Prüfung vor der Bestellannahme beschreibt Shopifys eigene Dokumentation nicht. Überfällige Zahlungen werden angezeigt, aber manuell erfasst, siehe Abschnitt 05.

Ja, Shopify sieht das laut eigener Dokumentation ausdrücklich als eine von zwei möglichen Architekturen vor — ein gemeinsamer Store oder ein separater, reiner B2B-Store. Die Entscheidungskriterien stehen in Abschnitt 08.

Nein, Shopify liefert dafür API-Bausteine, keine fertige, eingebaute Synchronisierung. Für einige große Systeme gibt es Konnektoren, für andere braucht es eine Individualintegration, Abschnitt 09.

Nicht als natives Self-Service-Feature — Entwurfsbestellungen erlauben deinem Team, eine individuelle Bestellung im Namen eines Kunden zu erstellen, aber das ist ein mitarbeitergesteuertes Werkzeug, kein kundenseitiges Anfrageformular. Details in Abschnitt 04.

Für Großhändler und Hersteller mit katalogbasierten Preisen, klaren Zahlungszielen und einem ERP, für das es entweder keinen Integrationsbedarf oder einen fertigen Konnektor gibt. Die vollständige Einordnung liefert Abschnitt 10.

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David Martin

David Martin

Geschäftsführer

10+ Jahre im Digital Marketing

Wir bauen Shopify B2B für Großhändler und Hersteller — deshalb sagen wir dir auch, wenn dein ERP-System eine Individualintegration braucht, bevor wir dir eine fertige Lösung verkaufen.